Offenwinkelglaukom

Screening auf Offenwinkelglaukom und Auswirkungen auf die Blindheit

Glaukome sind weltweit eine der führenden Ursachen für irreversible Blindheit. Eine späte Diagnose stellt den Hauptrisikofaktor für die Entwicklung einer Blindheit aufgrund eines Offenwinkel-Glaukoms dar. Somit liegt der Gedanke nahe, dass ein Glaukom-Screening mit früherer Erstdiagnose und anschließender Therapieeinleitung die Prävalenz einer durch Glaukom induzierten Blindheit verringern kann. In Industrieländern sind etwa 50 % der Glaukom-Patienten nicht diagnostiziert.
In den 1990er Jahren führten schwedische Wissenschaftler das größte jemals durchgeführte Screening auf Offenwinkel-Glaukom in Malmö durch, an dem 44.243 Probanden teilnahmen. Zwanzig Jahre später bot dieses Screening eine einzigartige Gelegenheit, die Auswirkung dieses Screenings auf die Glaukom-Entwicklung zu untersuchen.
In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden die Aufzeichnungen von Glaukom-Patienten überprüft, die vom 1. Januar 1987 bis zum 31. Dezember 2017 die Augenklinik des Universitätsklinikums Malmö besucht hatten. Patienten, die bei oder nach dem Screening diagnostiziert wurden, wurden auf mittelschwere oder schwere Sehstörungen untersucht, die die Autoren nach WHO-Definition als Sehbehinderung oder Blindheit bezeichnen. Sie korrigierten zudem eine mögliche Selektionsverzerrung, indem sie aus einer Vergleichsgruppe klinischer Patienten eine Gruppe potenzieller Screening-Teilnehmer zusammenstellten.

Die kumulative Inzidenz von Blindheit betrug 0,17 % in der untersuchten Population gegenüber 0,32 % unter den potenziellen Teilnehmern; und für Sehbehinderung 0,25 % gegenüber 0,53 %. Das Risikoverhältnis (95 % CI) zwischen beiden betrug 0,52 (0,32–0,84) für Blindheit und 0,46 (0,31–0,68) für Sehbehinderung.
Diese Ergebnisse legen nahe, dass ein Bevölkerungsscreening eine Glaukom bedingte bilaterale Sehminderung und Blindheit um etwa 50 % reduzieren kann.

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Aspberg J, Heijl A, Bengtsson B. Screening for open-angle glaucoma and its effect on blindness. Am J Ophthalmol. 2021 Apr
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