Bei erhöhtem HbA1c die Katarakt-Operation verschieben?

Die Autoren werteten in dieser retrospektiven Studie die korrigierte Sehschärfe nach Kataraktoperation bei 65.370 Patienten, von denen 34 % an Diabetes mellitus litten. Weiterhin wurde die Dauer des Diabetes, der Grad der diabetischen Retinopathie (DR) oder der präoperative HbA1c-Wert berücksichtigt. Patienten, bei denen ein Kombinationsverfahren durchgeführt wurde oder bei denen ein diabetisches Makulaödem vorlag, wurden von der Studie ausgeschlossen.

In der Diabetikergruppe hatten 28 % keine Retinopathie, 5 % eine nicht proliferative DR und 1 % eine proliferative DR. Die Auswertung ergab eine durchschnittliche Verbesserung der best-korrigierten Sehschärfe um 4 Zeilen in jeder Patientengruppe – unabhängig von der Dauer des Diabetes, dem Grad der DR oder dem präoperativen HbA1c-Wert. Die Wahrscheinlichkeit, eine postoperative best-korrigierte Sehschärfe von 20/25 oder schlechter zu erreichen, war unabhängig davon, ob orale Diabetesmedikamente ohne Insulin gegeben wurden oder ein HbA1c-Wert von 9,0 % oder höher vorlag. Patienten mit Diabetes, aber ohne Retinopathie hatten die gleiche Chance, eine best-korrigierte Sehschärfe von 20/20 zu erreichen wie Patienten ohne Diabetes. Patienten mit Retinopathie hatten jedoch eine geringere Wahrscheinlichkeit eine postoperative best-korrigierte Sehschärfe von 20/20 zu erreichen- je ausgeprägter die DR desto schlechter die Ergebnisse. Die Bedeutung des HbA1c und der diabetischen Retinopathie bezüglich des best-möglichen Zeitpunkt zur Durchführung einer Katarakt-Operation wird unterschiedlich bewertet. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie müssen Chirurgen eine anstehende Kataraktoperation nicht verschieben, wenn der HbA1c-Wert erhöht ist, insbesondere bei Patienten ohne DR.


Visual outcomes after cataract surgery in patients with type 2 diabetes, Liu L, Herrington LJ, Alexeeff S, Karter AJ, Amsden LB, Carolan J, Shorstein NH,  J Cataract Refract Surg. 2019 Apr;45(4):404-413.