Erste Roboter unterstützte subretinale Injektion bei Menschen in Lokalanästhesie

Bei 12 Patienten mit akuter subfovealer Blutung bei exsudativer AMD wurde eine Standard Vitrektomie und dann durch intraoperative OCT gesteuerte subretinale Injektion mit TPA durchgeführt.
Bei 6 Patienten wurde ein Teil des operativen Verfahrens Roboter-assistiert unterstützt: das Vorschieben der Kanüle durch die Netzhaut und deren Stabilisierung während der pedal gesteuerten Injektion von bis zu 100 µl TPA-Lösung.
Ausgewertet wurde der chirurgische Erfolg, die Dauer der Operation, unerwünschte Ereignisse und die Verträglichkeit.
In allen 12 Fällen wurde das Verfahren sicher durchgeführt und gut vertragen.
Bei der Dauer der Operation, dem Ausmaß des retinalen Mikrotraumas, der Verlagerung der Blutung und dem durchschnittlichen Visusanstieg gab es in den beiden Gruppen (bis auf eine Ausnahme) keine signifikanten Unterschiede.
Diese erste kleine Studie am Menschen demonstriert die Durchführbarkeit bei gleichzeitiger Sicherheit einer hochpräzisen, robotergestützten, subretinalen Arzneimittelabgabe als Teil der chirurgischen Behandlung submakulärer Blutungen. Und somit ist auch eine mögliche zukünftige Anwendung in der Gen- oder Zelltherapie denkbar.

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Cehajic-Kapetanovic J, Xue K, Edwards TL, Meenink TC, Beelen MJ, Naus GJ, de Smet MD, MacLaren RE. First-in-Human Robot-Assisted Subretinal Drug Delivery Under Local Anesthesia. Am J Ophthalmol. 2022 May;237:104-113.

Die Blaulichtgefahr versus Blaulicht-Hype

Die sogenannte „Blaulichtgefahr“ ist das Ergebnis experimenteller Befunde, die den Blauanteil des Lichtes bei kurzzeitiger intensiver Exposition als hochgradig toxisch für die Netzhaut nachgewiesen haben.
Dieser Begriff wird mittlerweile kommerziell dahingehend missbraucht, dass selbst Umgebungslicht phototoxische Schäden der Netzhaut verursachen soll, und zum Beispiel zu einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) führt.
In dieser perspektiven Studie werden epidemiologische und biophysikalische Daten zu blaufilternden optischen Chromophoren auf diese Fragestellung untersucht.
Große epidemiologische Studien bleiben nach wie vor den Beweis schuldig, dass Blaulicht-blockende Intraokularlinsen (IOLs) das AMD-Risiko oder -Fortschreiten verringern.
Brillengläser mit Blaulichtfiltern können die Blendung durch Behinderung nicht reduzieren, da die Bild- und Blendungsbeleuchtung im gleichen Verhältnis verringert werden.
Der Blaulichtanteil im Licht, der für eine optimale photorezeptive Funktion von Stäbchen und retinalen Ganglienzellen unerlässlich ist, wird durch fortschreitende altersbedingte Trübung der Augenlinse, Pupillenmiosis und Degeneration von Stäbchen und retinalen Ganglien-Photorezeptoren auf natürliche Weise verringert.
Somit nimmt die tägliche Exposition durch blaues Licht bei älteren Erwachsenen automatisch ab, insbesondere bei Frauen.
Die „Gefahr durch blaues Licht“ wird als Marketingstrategie missbraucht, spezielle Brillengläser und IOLs zu auf dem Markt unterzubringen. Blaulichtblockade bei Pseudophaken mit entsprechenden Filtern in IOLs ist permanent und somit nicht steuerbar. Blaufilternde Chromophore reduzieren dauerhaft die Aufnahme von Blaulicht, das für eine gute geistige und körperliche Gesundheit (z.B. durch Bildung von Melanopsin durch die ipGCR, das die Melatoninausschüttung in der Zirbeldrüse regelt) und für ein optimales skotopisches und mesopisches Sehen mitverantwortlich ist.

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Mainster MA, Findl O, Dick HB, Desmettre T, Ledesma-Gil G, Curcio CA, Turner PL. The Blue Light Hazard Versus Blue Light Hype. Am J Ophthalmol. 2022 Feb 25;240:51-57

Referenzkarte von 5 RPE-Subpopulationen der menschlichen Netzhaut erstellt

Grundlage dieser Forschungsarbeit ist die Hypothese, dass regionale phänotypische und funktionelle Unterschiede des retinalen Pigmentepithels (RPE) mit Netzhauterkrankungen wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) und anderen korrelieren.
Diese Arbeit liefert eine Referenzkarte menschlicher RPE-Subpopulationen und ihrer Lokalisation, wobei 5 konzentrisch angelegte RPE-Subtypen in der Netzhaut identifiziert werden konnten.
Untersucht wurden 17 gesunde Spenderaugen ohne bekannte Netzhauterkrankung und 5 Augen mit bekannter AMD.
Um diese detaillierte, morphometrische RPE-Karte des menschlichen Auges erstellen zu können, wurde eine auf künstlicher Intelligenz basierende Software darauf trainiert, RPE-Grenzen zu erkennen, zu segmentieren und zu analysieren.
Der maschinelle Lernalgorithmus für REShaPE wurde mit Bildern von 12.750 handsegmentierten RPE-Zellen trainiert, was zu einer Genauigkeit von 90 % für die Erkennung spezifischer Merkmale RPE-Zellen führte.
Unter anderem wurden spezifische RPE-Subpopulationen als «anfällig» identifiziert, die bei verschiedenen monogentischen und polygenetischen Netzhauterkrankungen spezifische Betroffen- und Anfälligkeitsmuster aufweisen können.
Diese erstmalig erstellte Referenzkartierung des RPE mit seinen Subpopulationen kann die Grundlage für weitere Untersuchungen molekularer und funktioneller RPE-Unterschiede bilden und womöglich zur Entwicklung präziser Zell- und Gentherapien für degenerative Netzhauterkrankungen beitragen.

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Ortolan D, Sharma R, Volkov A, Maminishkis A, Hotaling NA, Huryn LA, Cukras C, Di Marco S, Bisti S, Bharti K. Single-cell-resolution map of human retinal pigment epithelium helps discover subpopulations with differential disease sensitivity. Proc Natl Acad Sci U S A. 2022 May 10;119(19)

Der Anfang vom Ende der Cataract-Chirurgie?

Ein dicht gepacktes Konglomerat aus kristallinen Proteinen sorgt für die optische Klarheit und den einzigartigen Brechungsindex des Linsengewebes. Die menschliche Linse hat nur eine begrenzte Kapazität zur Synthese neuer Proteine. Die Jahrzehnte lange Linsentransparenz wird teilweise durch aB-Crystallin (cryAB) ermöglicht, ein Chaperon, das die Proteinstabilität aufrechterhält.
Altersbedingte Schäden oder Mutationen der Linsen-Chaperonproteine ​​αA- und αB-Kristallin führen zu deren Destabilisierung und Aggregation, die in einer Kataraktbildung gipfeln.
Vor einigen Jahren wurde VP1-001 identifiziert, ein Oxysterol, das die cryAB-Aggregation begrenzen kann.
35 Mäuse (Wildtyp und genmanipulierte Cryaa-R49C und Cryab-R120G-Typen) wurden 2 Wochen lang 3x/Woche mit topischem VP1-001 in einem Auge und einem Vehikel im anderen behandelt und neun Mäuse bildeten die unbehandelte Kontrollgruppe.
Ziel der Studie war es zu messen, wie Katarakt-bedingende Mutationen eine Katarakt entwickeln und ob die Behandlung mit einer VP1-001 Auswirkungen auf die Optik und Transparenz der Linse hat.
Erstens konnte in dieser Studie gemessen werden, dass verschiedene α-Kristallin-Mutationen den Brechungsindexgradienten der Linsen auf unterschiedliche Weise verändern und auch unterschiedlich auf die Therapie reagierten.
Die Ergebnisse der Behandlungsgruppe mit VP1-001 zeigte jedoch eine Verbesserung der Brechungsindexprofile bei 61 % der Linsen, und dieses Ergebnis wurde durch eine messbare Reduktion des Linsentrübungsgrades der Linsentrübung um 1,0 bei 46 % der lebenden Mäuse unterstützt.

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Wang K, Hoshino M, Uesugi K, Yagi N, Pierscionek BK, Andley UP. Oxysterol Compounds in Mouse Mutant αA- and αB-Crystallin Lenses Can Improve the Optical Properties of the Lens. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2022 May 2;63(5):15. doi: 10.1167/iovs.63.5.15. PMID: 35575904; PMCID: PMC9123516.

Die Netzhaut als Fenster zur Diagnose des Morbus Alzheimer?

Studien bei Alzheimer-Patienten und gen-manipulierten Alzheimer-Mäusen haben Pathologien in der Netzhaut gezeigt, die denen im Gehirn ähnlich sind.
In dieser Meta-Analyse aktueller Studien wird erörtert, ob ein nicht invasives Verfahren wie die Optische Kohärenztomographie oder die OCT-A für die Diagnose der Alzheimerschen Erkrankungen genutzt werden kann.
Es konnten 3 Hauptargumente dafür extrapoliert werden:
1.In Ex-vivo- und In-vivo-Studien an AD-Mäusen und AD-Patienten treten folgende parallele Veränderungen auf: Ablagerungen von Aβ und Tau, neurale Degeneration, vaskuläre Ausdünnung und Mikroglia-Aktivierung.
2. Das Gehirn als komplexes Netzwerk ist nicht so einfach zu zugänglich wie die Netzhaut. Aufgrund ihrer im Vergleich relativ einfachen und transparenten Struktur ist die Netzhaut mit nicht-invasiven, hochauflösenden Diagnose-tools wie der OCT schnell und einfach zu untersuchen.
3. Netzhautpathologien können vor Hirnpathologien erkannt werden, was die Chance bieten könnte, die Diagnose Alzheimer früher als bisher stellen zu können.
Problematisch ist, dass andere Netzhauterkrankungen bei älteren Menschen, besonders die altersbedingte Makuladegeneration und Glaukom, bestimmte Manifestationen im OCT aufweisen, die denen der Alzheimer Erkrankung ähnlich oder gemeinsam sind.
Zukünftige Studien sollten daher darauf abzielen, spezifische retinale Biomarker bei der Alzheimer Erkrankung definieren zu können, um eine frühe Diagnose mit einer hohen Sensivität und Spezifität ermöglichen zu können.

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Zhang J, Shi L, Shen Y. The retina: A window in which to view the pathogenesis of Alzheimer’s disease. Ageing Res Rev. 2022 May;77:101590. doi: 10.1016/j.arr.2022.101590. Epub 2022 Feb 19. PMID: 35192959.

Kombinierte transepitheliale PTK und topografiegesteuerte PRK zur Behandlung von traumatisch bedingten Hornhautnarben

Hornhautnarben können die Sehleistung stark beeinträchtigen und sind zudem in der Korrektur der entstehenden Fehlsichtigkeit eine echte Herausforderung.

In dieser retrospektive, interventionellen Studie wurden 4 Augen von 4 Patienten eingeschlossen, die eine posttraumatische Hornhautnarbe und irreguläre Oberfläche entwickelten.

Diese wurden zwischen 2017 und 2020 mit einer topografiegesteuerten photorefraktiven Keratektomie (TG-PRK) behandelt.

Im Gegensatz zu konventionellen refraktiven Verfahren ist die TG-PRK nicht auf eine regelmässige optische Oberfläche oder Aberrometrie angewiesen. Bei der topografiegesteuerten Methode wird die Hornhautoberfläche mittels Placido-Scheibe abgebildet, und die Hornhautvorderfläche dient als Grundlage für die refraktive Behandlung.

Mit diesem minimal invasivem Verfahren kann die Hornhautoberfläche geglättet sowie die Hornhautvernarbung, reduziert oder sogar entfernt werden. Idealerweise kann auch die Refraktion des Auges korrigiert werden.

Die Hauptzielgrößen waren der unkorrigierte und bestkorrigierte Fernvisus, die manifeste Refraktion und die korneale Regularität durch topografische Aufnahmen. Das mittlere Alter betrug 34,75 ± 15,39 Jahre und die Nachbeobachtungszeit 6 Monate bei allen Patienten.

In 3 Fällen wurde die volle subjektive Refraktion in einer Sitzung korrigiert. Ein Patient hatte eine Fehlsichtigkeit von +0,5 dpt. In diesem Fall wurde nur eine Glättung ohne zusätzliche Korrektur der Refraktion durchgeführt. Alle 4 Patienten zeigten eine Verbesserung des unkorrigierten (2 bis 3 Zeilen) und korrigierten (3 Zeilen) Fernvisus. Es traten keine Komplikationen während und nach den Behandlungen auf, und es kam bei keinem Fall zu einer Reduktion der Sehschärfe.

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Kaiser KP, Wissiak E, Müller T, Daas L, El-Shabrawi Y, Ardjomand N. Kombinierte transepitheliale PTK und topografiegesteuerte PRK zur Behandlung von traumatisch bedingten Hornhautnarben [Combined transepithelial PTK and topography-guided PRK for treatment of trauma-related corneal scarring]. Ophthalmologe. 2022 Mar;119(3):250-257. German. doi: 10.1007/s00347-021-01480-8. Epub 2021 Aug 25. PMID: 34432117.

Beurteilung der mikrovaskulären Struktur bei Poppers-Makulopathie

Der Begriff „Poppers“ beschreibt Medikamente, die zu den flüchtigen Alkylnitriten gehören und durch Inhalation von Dampf konsumiert werden. Es kann Erregung, Euphorie und Muskelentspannung auslösen. Die Poppers-Makulopathie (PMP) bezieht sich auf die funktionelle Beeinträchtigung des zentralen Sehens und ihre strukturelle Manifestation als foveale Veränderung der äußeren Netzhautarchitektur.

Die der PMP zugrunde liegende Pathogenese ist noch unbekannt. Im Vereinigten Königreich von Grossbritannien und Nordirland (UK) waren 10 % der Bevölkerung Poppers ausgesetzt, wobei der Konsum in Clubs und bei homosexuellen Männern höher war. Poppers Konsumenten in UK berichteten 2015 in 2,2 % über konsumbedingte Sehstörungen, weitere 10 % beschrieben eine mögliche Auswirkung der Verwendung von Poppers auf ihr Sehvermögen.

Diese Studie wurde als retrospektive Überprüfung von OCTA-Daten konzipiert, die bei Patienten mit PMP erhoben wurden.

Bei den 11 Patienten, die sich einer OCTA-Bildgebung unterzogen, wurden in der qualitativen und quantitativen OCTA-Analyse keine vaskulären Anomalien gefunden.

In der OCT-Bildgebung konnten zwei unterschiedliche Arten von Läsionen beobachtet werden, der ellipsoide Zonentyp und der vitelliforme Typ. Obwohl in einer überwiegenden Anzahl der dokumentierten Fälle eine strukturelle Verbesserung beobachtet wurde, blieb die funktionelle Beeinträchtigung in zwei Fällen bestehen, was auf anhaltende Schäden trotz Absetzens von Poppers hinweist. Unter Berücksichtigung des jungen Durchschnittsalters von Patienten mit PMP sollte vor möglichen Langzeitfolgen von Poppers gewarnt werden.

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Hamann T, Wiest MRJ, Brinkmann M, Toro M, Fasler K, Baur J, Freund KB, Zweifel S. Assessment of the microvasculature in poppers maculopathy. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2022 Apr;260(4):1299-1306. doi: 10.1007/s00417-021-05453-0. Epub 2021 Nov 20. PMID: 34800139; PMCID: PMC8913571.

Management-Handbuch

Buchtipp: Für Kliniken, MVZ und Praxen der Augenheilkunde

In über 20 Beiträgen ausgewiesener Fachexperten deckt dieses Handbuch alle relevanten Managementfelder ab: Abrechnung, Personalmanagement, Digitalisierung, Umweltmanagement oder Hygienemanagement am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie – Beiträge zu den häufigen Prozeduren und den Megatrends der Augenheilkunde sowie Interviews mit Experten aus verschiedenen Versorgungsmodellen runden das Handbuch ab. Best Practice-Beispiele, Checklisten und Umsetzungshilfen ermöglichen dem Anwender die Umsetzung in die eigene berufliche Praxis. Herausgegeben von Dr. rer. pol. Thomas Haupt und Dr. med. Martin A. Zeitz unterstützt von über 20 weiteren Autoren.

Ich kann es Ihnen dieses Handbuch nur empfehlen. Hier haben Sie die Möglichkeit zur Bestellung beim Medhochzwei Verlag

 

Feuchte AMD entdecken

Eine neue Netzhautuntersuchung kann eine feuchte AMD drei Jahre vor Auftreten von Symptomen entdecken

Wissenschaftler des University College London haben in Zusammenarbeit mit dem Western Eye Hospital in London einen Test zur Untersuchung der Netzhaut entwickelt, der wohl eine feuchte AMD drei Jahre vor Auftreten der Symptome vorhersagen kann.
Der Test, DARC (Detection of Apoptosing Retinal Cells) genannt, beinhaltet die Injektion eines fluoreszierenden Farbstoffs in den Blutkreislauf, der sich an Netzhautzellen anlagert, und diejenigen „beleuchtet“, die unter Stress stehen oder sich im Prozess der Apoptose befinden. Die beschädigten Zellen erscheinen dann hellweiß – je mehr beschädigte Zellen erkannt werden, desto höher ist die DARC-Zahl.
Mit der gleichen Technologie hatten die Forscher zuvor festgestellt, dass sie die frühesten Anzeichen einer Glaukomprogression erkennen können.
Eine neue Studie, die Teil derselben laufenden klinischen Studie mit DARC ist, untersuchte Studienteilnehmer, die bereits an AMD erkrankt sind, jedoch nicht unbedingt bilateral.
Die KI wurde neu trainiert, um die Bildung von undichten und neuen Blutgefäßen zu erkennen, die den von DARC aufgenommenen Stellen entsprachen.
Die neue Analyse ergab, dass DARC Endothelzellen unter Stress in der Netzhaut eindeutig identifizieren kann. Diese gestressten Zellen prognostizierten eine zukünftige feuchte AMD-Aktivität mit Bildung von undichten und neuen Blutgefäßen, die drei Jahre später bei Patienten unter Verwendung herkömmlicher Augenscans mit optischer Kohärenztomographie (OCT) beobachtet wurde. Dies wurde auch in einer parallellaufenden Studie im Tiermodell mit Kaninchen bestätigt.
Natürlich braucht es noch größere Studien, um diese Aussagen bei jetzt noch kleiner Fallzahl zu validieren.

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Corazza P, Maddison J, Bonetti P, Guo L, Luong V, Garfinkel A, Younis S, Cordeiro MF. Predicting wet age-related macular degeneration (AMD) using DARC (detecting apoptosing retinal cells) AI (artificial intelligence) technology. Expert Rev Mol Diagn. 2020 Dec 28:1-10

Prävalenz von Kurzsichtigkeit und deren Veränderung bei Kindern und Jugendlichen

Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch-Instituts liefert bundesweit repräsentative Daten, mit denen die gesundheitliche Lage der Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahren sowie Entwicklungstrends beschrieben werden können. Die Autoren dieser Veröffentlichung werteten Daten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland aus (KiGGS-Basiserhebung, 2003−2006, N = 17 640 und KiGGS Welle 2, 2014−2017, N = 15 023) bezüglich Myopieprävalenz und Progression aus. Die Daten wurden mittels Elternfragebogen erhoben und durch das Vorhandensein einer Sehhilfe validiert. Die Myopieprävalenz bei den 0-17-jährigen in Deutschland in den Jahren 2003–2006 11,6 % (95-%-Konfidenzintervall: [11,0; 12,2]) und in den Jahren 2014–2017 11,4 % [10,7; 12,2]. In keiner der Altersgruppen beider Geschlechter zeigte sich eine relevante und statistisch signifikante Veränderung in der Myopieprävalenz. Im adjustierten Modell (adjustiert für Alter, Geschlecht, sozioökonomischen Status der Familie, Migrationshintergrund) zeigte sich kein Zusammenhang der Myopie mit digitaler Mediennutzung. Längeres Lesen von Büchern war mit Myopie assoziiert. Bei mehr als zwei Stunden Lesen pro Tag ergab sich eine Odds Ratio von 1,69 [1,3; 2,2].
Die Myopieprävalenz zeigt sich über etwa zehn Jahre bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland nahezu gleich. Veränderungen in der Mediennutzung, wie etwa die vermehrte Nutzung von Smartphones durch Kinder und Jugendliche, haben demnach zumindest bislang keinen nachweisbaren Einfluss auf die Myopie-Entstehung.

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Schuster AK, Krause L, Kuchenbäcker C, Prütz F, Elflein HM, Pfeiffer N, Urschitz MS: Prevalence and time trends in myopia among children and adolescents—results of the German KiGGS study.
Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 855–60.

Hoffnung auf neuroprotektive und neuroregenerative Therapiemöglichkeiten

Forscher des Catalyst for a Cure ( CFC) Vision Restoration Teams, das von der Glaucoma Research Foundation, finanziert wird, berichteten in einer am 14. Dezember 2020 in PNAS (The Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlichten Studie, dass durch Hemmung einer bestimmten Gruppe von Enzymen möglich sein könnte, neue Therapien zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Glaukom oder Morbus Alzheimer entwickeln zu können.
Die FCF-Forscher fassten die Bedeutung der Ergebnisse wie folgt zusammen: Beim Glaukom degenerieren die Ganglienzellen der Netzhaut und ihre Axone im Sehnerv nicht zeitgleich. Somit gibt es beim Voranschreiten der Erkrankung gleichzeitig funktionsfähige, zudem gestresste Zellen, wie auch solche, deren Axone vollkommen degeneriert sind. Zum Erhalt des Sehvermögens, sind daher unterschiedliche Strategien erforderlich, um zum einen gesunde Ganglienzellen zu schützen, Frühschäden zu reparieren und diejenigen zu regenerieren, die ihre Axone und Verbindung zum visuellen Gehirn verloren haben.
Bisher ging man fälschlicherweise davon aus, dass Ganglienzell-protektive Therapien immer auch die Regeneration unterstützen – also, dass Protektion, Reparatur und Regeneration durch dieselbe Therapiekategorie bedient werden können.
So kann zum Beispiel die Hemmung einiger Pfade Ganglienzellen schützen, aber gleichzeitig die Regeneration behindern. Dies gilt für einige Kinasenpaare wie zum Beispiel die Dual leucine zipper kinase (oder DLK) und die Leucine zipper-bearing Kinase (oder LZK).
Nun besteht endlich die Hoffnung, beide Ziele, Protektion und Regeneration mit einer einzigen therapeutischen Intervention zu erreichen. Das Labor von Dr. Derek Welsbie entdeckte mit dem Catalyst for a cure Team eine neue Strategie, die dies erreichen könnte.
Der therapeutische Ansatz basiert auf der Hemmung einer Familie von Molekülen namens GCK-IV (germinal cell kinase – oder Keimzellkinase IV) unter Verwendung eines einzelnen Medikamentes. Dieser Ansatz wirkt positiv laut CFC-Team sowohl auf das Überleben und Wachstum von retinalen Ganglienzellen, die aus Stammzellen im Labor gezüchtet wurden.

Mit dieser neuen Strategie könnte man also sowohl den Ganglienzellverlust verhindern, als auch mit der Weiterentwicklung von Zellersatztherapien den degenerierten Sehnerven wiederherstellen können.

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Inhibition of GCK-IV kinases dissociates cell death and axon regeneration in CNS neurons
Amit K. Patel, Risa M. Broyer, Cassidy D. Lee, Tianlun Lu, Mikaela J. Louie, Anna La Torre, Hassan Al-Ali, Mai T. Vu, Katherine L. Mitchell, Karl J. Wahlin, Cynthia A. Berlinicke, Vinod Jaskula-Ranga, Yang Hu, Xin Duan, SantiagoVilar, John L. Bixby, Robert N. Weinreb, Vance P. Lemmon, Donald J. Zack, Derek S. Welsbie
Proceedings of the National Academy of Sciences Dec 2020, 117 (52) 33597-33607; DOI:10.1073/pnas.2004683117

Einfluss künstlicher Tränen auf keratometrische Messungen bei Kataraktpatienten.

Ziel dieser prospektiven randomisierten Crossover-Studie war es, den Einfluss künstlicher Tränen unterschiedlicher Viskosität auf die K-Werte vor Kataraktoperation zu evaluieren. Daher wurde eine Patientenpopulation von 80 Patienten (123 Augen) vor Kataraktoperation 2 Gruppen zugeordnet: normale und trockene Augen. Zwei native Basis-Keratometrien wurden gefolgt von der Instillation von hoch- oder niedrigviskosen Augentropfen. Die Keratometrie wurde 30 Sekunden, 2 Minuten und 5 Minuten nach der Instillation wiederholt.
Das Hauptinteresse der Studie bestand darin, den Einfluss von Augentropfen unterschiedlicher Viskosität bei normalen und trockenen Augen auf kurzzeitige K-Werte zu messen. Die Wiederholbarkeit zwischen nativen Basismessungen war hoch (Standardabweichung = 0,02 mm bei normalen und trockenen Augen). Bei normalen und trockenen Augen wurde ein statistisch signifikanter Anstieg der Messvariabilität nach Instillation von sowohl niedrigviskosen als auch hochviskosen Augentropfen beobachtet (P <0,01). Die Messvariabilität war zwischen der Basismessung und nach 30 Sekunden am ausgeprägtesten, nahm aber mit der Zeit ab. Die Variabilität der K-Werte war bei trockenen Augen im Vergleich zu normalen Augen höher. Der Astigmatismus variierte um mehr als 0,5 Dioptrien bei 13,2% der normalen Augen und 34,4% bei trockenen Augen unter Verwendung von Augentropfen mit hoher Viskosität.
Die Anwendung von Augentropfen vor der Durchführung einer Keratometrie während der Biometrie sollte mit Bedacht durchgeführt werden. Entweder sollten keine Augentropfen verwendet oder die Keratometrie muss um mehr als 5 Minuten verzögert werden. Diese Faustregel gilt umso mehr für trockene Augen, da ihre Messungen eine höhere Streuung und eine geringere Reproduzierbarkeit aufwiesen und daher weniger zuverlässig waren. Je höher die Viskosität von Augentropfen ist, desto länger ist der Einfluss auf die Augenoberfläche und desto länger sollte daher das Intervall zwischen Verabreichung der Augentropfen und Messung sein.

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Röggla V, Leydolt C, Schartmüller D, Schwarzenbacher L, Meyer E, Abela-Formanek C, Menapace R. Influence of Artificial Tears on Keratometric Measurements in Cataract Patients. Am J Ophthalmol. 2021 Jan; 221:1-8.

LHON: gentherapeutische Injektion

Bilaterale Sehverbesserung nach unilateraler gentherapeutischer Injektion bei LHON (Leber hereditary optic neuropathy)

LHON ist eine den Sehnerven betreffende Erbkrankheit, von der schätzungsweise eine von 30.000 bis 50.000 Personen betroffen ist. Die Krankheit tritt am häufigsten im jungen Erwachsenenalter mit schnell voranschreitender rapider Sehverschlechterung bis zur Erblindung auf – Männer und Frauen im Alter von Teenagern oder in ihren Zwanzigern. Männer sind etwa vier- bis fünfmal häufiger von der Erkrankung betroffen als Frauen.
REVERSE ist eine randomisierte, doppelmaskierte, scheinkontrollierte, multizentrische klinische Phase-3-Studie, in der die Wirksamkeit einer einzelnen intravitrealen Injektion von rAAV2 / 2-ND4 bei Patienten mit Sehverlust aufgrund einer hereditären Optikusneuropathie (LHON) der Leber untersucht wurde. Insgesamt 37 Probanden, die die Mutation m.11778G> A (MT-ND4) trugen und deren Sehverlust zwischen 6 und 12 Monaten zurück lag, wurden behandelt. Das rechte Auge jedes Probanden wurde im Verhältnis 1: 1 der Behandlung mit rAAV2 / 2-ND4 (GS010) oder Scheininjektion randomisiert. Das linke Auge erhielt die Behandlung, die nicht dem rechten Auge zugeordnet war.
Völlig unerwartet wurde in beiden Augen während der 96-wöchigen Nachbeobachtungszeit eine anhaltende visuelle Verbesserung beobachtet. In Woche 96 zeigten mit rAAV2 / 2-ND4 behandelte Augen eine mittlere Verbesserung der bestkorrigierten Sehschärfe (BCVA) von -0,308 LogMAR (+15 ETDRS-Buchstaben). Eine mittlere Verbesserung von -0,259 LogMAR (+13 ETDRS-Buchstaben) wurde in den scheinbehandelten Augen beobachtet. Folglich wurde der primäre Endpunkt, definiert als der Unterschied in der Veränderung der BCVA vom Ausgangswert bis zur 48. Woche zwischen den beiden Behandlungsgruppen, nicht erreicht (P = 0,894). In Woche 96 hatten 25 Probanden (68%) eine klinisch relevante Erholung der BCVA gegenüber dem Ausgangswert in mindestens einem Auge, und 29 Probanden (78%) hatten eine Verbesserung des Sehvermögens in beiden Augen. Um die unerwartete bilaterale Verbesserung der Sehfunktion zu erklären, werden in diesem Artikel auch die Ergebnisse einer parallellaufenden Primatenstudie bei Affen vorgestellt. Nach einseitiger Injektion der Gentherapie gab es Anzeichen auf virale Vektor-DNA im vorderen Segment, in der Netzhaut und im Sehnerv des kontralateralen nicht injizierten. Dies unterstützt „eine plausible mechanistische Erklärung für die unerwartete bilaterale Verbesserung der Sehfunktion bei LHON-Patienten, die mit einer einseitigen Injektion des ND4-Gentherapievektors behandelt wurden“, so die Studie.
Die Hersteller-Firma der Gentherapie, GenSight Biologics, hat bei der
Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) einen Zulassungsantrag für
Lumevoq® gestellt. Die Entscheidung wird für die zweite Hälfte des Jahres
2021 erwartet.

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Yu-Wai-Man P, Newman NJ, Carelli V, Moster ML, Biousse V, Sadun AA, Klopstock T, Vignal-Clermont C, Sergott RC, Rudolph G, La Morgia C, Karanjia R, Taiel M, Blouin L, Burguière P, Smits G, Chevalier C, Masonson H, Salermo Y, Katz B, Picaud S, Calkins DJ, Sahel JA. Bilateral visual improvement with unilateral gene therapy injection for Leber hereditary neuropathy

Falsch ausgerichtete torischen IOL

Refraktives und visuelles Ergebnis einer falsch ausgerichteten torischen IOL nach operativer Neuausrichtung

Bei ungefähr bis zu 5% der Patienten kann sich eine torische IOL postoperativ drehen und falsch ausrichten.
In dieser institutionellen, retrospektiven Fall-Kontroll-Studie wurden 39 Patienten von August 2013 bis Dezember 2019 in der Augenklinik der Goethe-Universität in Frankfurt einer zweiten Operation unterzogen, um eine falsch positionierte torische IOL neu auszurichten. Die ideale torische Achse wurde mit dem Rückrechner astigmatismfix.com ermittelt.
Die torischen IOLs zeigten zunächst eine Fehlausrichtung von 25,69 ° ± 26,06 °. Die postrotationale, nicht korrigierte Sehschärfe auf die Ferne (UDVA= uncorrected distance visual acuity) verbesserte sich von 0,39 ± 0,29 logMAR auf 0,27 ± 0,18 logMAR. Das Brechungsergebnis zeigte eine Verringerung der Restsphäre und des Zylinders.
Die postoperative UDVA nach Ausrichtung auf die präoperativ berechnete Achse (51%) betrug 0,24 ± 0,16 logMAR mit einem Zylinder von 0,90 ± 0,90 D. In der Gruppe mit Ausrichtung auf eine rückberechnete Achse (49%) betrug die UDVA 0,32 ± 0,20 logMAR mit einem Zylinder von 0,76 ± 0,72 D.
IOLs mit hoher Zylinderstärke (≥2 D) zeigten bei Rückrechnung eine höhere Abnahme des Restzylinders als IOLs mit geringer Zylinderstärker (<2 D) (27% gegenüber 9%). Der mittlere sphärische äquivalente Vorhersagefehler des Rückrechners betrug 0,54 ± 0,55 D. Die Neuausrichtung von falsch ausgerichteten torischen IOLs verbessert die Sehschärfe und reduziert verbleibende Brechungsfehler. Wenn eine Neuausrichtung erforderlich ist, sollte diese bei Zylinderstärke der IOL> 2 Dioptrien mit einem torischen Rückrechner durchgeführt werden.

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Müller-Kassner A, Sartory T, Müller M, Varna-Tigka K, Mayer WJ, Kreutzer T, Schuh A, Priglinger S, Kohnen T, Shajari M. Refractive and visual outcome of misaligned toric IOL after operative realignment Outcome of misaligned toric IOL after operative realignment. Am J Ophthalmol. 2020 Dec 10: S0002-9394(20)30661-9.

 

Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf die Ophthalmologie

Tragen Sie dazu bei, dass die Ophthalmologie die richtigen Schlüsse aus der Corona-Krise zieht und nehmen Sie jetzt an dieser Umfrage teil: https://www.surveymonkey.de/r/Z2666TM
Die Augenklinik Dardenne führt unter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule Reutlingen eine Studie zur Lage der Augenheilkunde in der Corona-Krise durch. Erster Schritt der Studie waren Experteninterviews mit Ärztinnen und Ärzten aller Versorgungsstufen (von der konservativen Einzelpraxis über operative Zentren bis zu großen MVZ-Strukturen und Uniklinika), in denen relevante Faktoren zur Corona-Lage der Augenheilkunde systematisiert wurden. Die Einschätzung dieser Faktoren soll nun in einer breit angelegten Befragung ermittelt werden.
Es geht u.a. um diese Fragen:
  • Was waren oder sind aus Ihrer Sicht (besondere) Schwierigkeiten und Herausforderungen der Corona-Krise?
  • Welche Lösungsansätze haben Sie zur Bewältigung der Schwierigkeiten und Herausforderungen umgesetzt?
  • Was haben Sie aus der Corona-Krise gelernt?
  • Sehen Sie konkrete Verbesserungen, die durch Corona eingetreten sind?
  • Wie können wir uns auf die nächste(n) COVID-Welle(n) oder auch zukünftige Pandemien vorbereiten?
Die Autoren erwarten spannende und relevante Erkenntnisse zur gegenwärtigen Lage der Augenheilkunde und Handlungsoptionen für die Zukunft. Die Studienergebnisse werden in einer einschlägigen ophthalmologischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Teilnahme erfolgt anonym. Hier geht es direkt zur Umfrage: https://www.surveymonkey.de/r/Z2666TM